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Mit Licht geschossen | 49. Bildpräsentation

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.
Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.

 

Der „Schwarze Tag des deutschen Heeres“

Am 8. August 1918 leitete die „Schlacht bei Amiens“ die sogenannte „Hunderttageoffensive“ der Alliierten gegen das Kaiserliche deutsche Heer an der Westfront ein. Kurz zuvor hatte die deutsche Heeresleitung noch einmal versucht, mit der Frühjahrsoffensive die Lage so zu ihren Gunsten zu beeinflussen, dass die neuen Aktivposten der Alliierten – die überwältigende Mobilität der Panzerwaffe mit  schweren und leichten Tanks sowie die Kampfkraft der neuen, zahlenmäßig starken und ausgeruhten US-Streitkräfte – nicht zur Entfaltung kommen sollten. In Rückgriff auf „Bewährtes“ kam im Rahmen dieser Aktivitäten auf deutscher Seite, etwa bei dem seit März 1918 erfolgten heftigen Beschuss von Reims, noch einmal die schwere Belagerungsartillerie zum Einsatz, die bereits seit 1916 das Kampfgeschehen, so etwa vor Verdun mitbestimmt hatte.

Das aktuelle Bild entstand in dieser Situation. Es zeigt vier deutsche Soldaten an einem schwerer 21cm-Mörser Modell 16 – einer  Waffe, die von der Firma Krupp 1916 als Belagerungsgeschütz  entwickelt und an die Westfront ausgeliefert wurde. Mit über 11km Reichweite konnte der Mörser v.a. zur Bekämpfung von Fortifikationseinrichtungen in großem Abstand hinter der Front eingesetzt werden. Dieser Fakt erklärt die recht entspannte Stimmung, die die vier abgebildeten Artilleristen vermitteln: Sie waren ein gutes Stück weg von der Front, und angesichts der sich zugunsten der Alliierten entwickelnden Frontlage hatte Belagerungsartillerie wohl auch kaum noch nennenswerte militärische Arbeit zu leisten. Die Hauptlast trugen in dieser Situation erneut die Fronttruppen.

Obwohl den Alliierten unter den Bedingungen des Stellungskrieges zum wiederholten Male kein nachhaltiges Rückdrängen der deutschen Soldaten gelangt (ein Umstand, der später die berüchtigte „Dolchstoßlegende“ faktisch untersetzen sollte), wirkte die Schlacht bei Amiens in moralischer Hinsicht vernichtend auf das Heer: Seine Verluste betrugen am 8. August 1918 über 30.000 Mann; die Hälfte von ihnen ging in Gefangenschaft. Erich Ludendorff, Generalquartiermeister im OHL bezeichnete das Datum später als  „Schwarzen Tag des deutschen Heeres“. Dieses Verdikt Ludendorffs, dem die Erkenntnis und Eingeständnis erschöpfter Reserven und extremer Demoralisierung zugrunde lag, führte schlussendlich in direkter Linie zur Aufnahme der Kapitulationsverhandlungen zwischen dem Kaiserreich und den Staaten der entente cordiale im September 2018.

 

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DAStietz, Foyer

Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz


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