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Mit Licht geschossen | 48. Bildpräsentation

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.
Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.

 

Volltreffer!

So simpel die aktuelle Fotografie vom Juli 1918 auf den ersten Blick erscheint, so voller Dramatik ist sie beim näheren Hinschauen. Bekommt man heute Bild- und Filmmaterial von den Geschehnissen an den Fronten zu Gesicht, so handelt es sich in den überwiegenden Fällen um gestelltes Material, das häufig Propagandafunktion zu erfüllen hatte. Nicht so die aktuelle, mit einer Kleinbildkamera geschossenen Fotografie: Sie weist keinerlei professionelle Züge auf, sondern ist unmittelbar unter dem Eindruck realer Kampfhandlungen entstanden. Mehr oder weniger zufällig drückt der Fotograf gerade in dem Moment den Auslöser, in dem wenige Dutzend Meter vor ihm ein Geschoss in ein Gebäude – ein Chaussee-Haus oder eine Feldscheune – einschlägt. Die Explosion hebt das Dach sichtbar ab; im Sekundenbruchteil der Aufnahme ist sogar noch der Ziegelverband des Daches zu erkennen, bevor sich alles in seine Einzelteile auflöst. Die Aufnahme ist damit ein purer Zufall; wahrscheinlich – das legen die verwackelten und unscharfen Bildränder nahe – entstand das Bild sogar unmittelbar aus der Bewegung des Fotografen heraus.

Völlig unklar ist, wo konkret die Aufnahme entstand. Nach seiner Herkunft – der Besitzer war als Soldat des Infanterie-Regiments N° 181 selbst Kriegsteilnehmer – ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verortung im Einsatzbereich der Chemnitzer Infanteristen an der Westfront anzunehmen. Zwischen 1914 und 1918 war es dort an mehreren Flandernschlachten beteiligt und kam an Somme und Marne zum Einsatz. Das Regiment beklagte im Kriegsverlauf über 3000 Gefallene und 7000 Verwundete, über 1000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft.

Im Juli 1918 verschärfte sich an der Westfront die Lage für die deutschen Truppen dramatisch. Unter massivem Panzereinsatz – hier kamen massenhaft Renault FT, die als Prototyp moderner Kampfwagen gelten, zur Verwendung – gelang es den Alliierten an der Westfront nicht nur, wieder die Initiative zu übernehmen: Bis zum Kriegsende sollten sie diese nicht mehr abgeben. Die Kämpfe Mitte Juli 1918 gelten als „Schicksalswende“, die deutschen Streitkräfte waren damit endgültig in die Defensive gedrängt worden.

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DAStietz, Foyer

Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz


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