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Mit Licht geschossen | 46. Bildpräsentation

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.
Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.

 

Ballone im Weltkrieg

 

Im April 1918 hatte sich die großangelegte „Michael-Offensive“, an die die deutsche Oberste Heeresleitung so hohe Erwartungen gesetzt hatte, festgelaufen. Im Gefolge massiver Angriffe v.a. australischer Kampfverbände blieb Ludendorff bei Vermeidung des Eingeständnisses strategischen Versagen nur übrig, „Michael“ abzusetzen und auf einen Alternativplan auszuweichen, der jedoch als „Georg-Offensive“ von Anfang an deutlich hinter den Möglichkeiten des Michael-Unternehmens hinterher hinkte: Konsequenter Weise machten die fronterfahrenen Soldaten und Offiziere des Heeres aus dem Unternehmen Georg spöttisch eine „Georgette“. Erwartungsgemäß blieb auch ihr Erfolg bescheiden…

Für wenige Wochen kehrte an der Westfront zunächst eine trügerische Ruhe ein, da sich beide Seiten gegenseitig „abtasteten“ und die Oberste Heeresleitung mit dem „Blücher-Yorck-Unternehmen“ die nun dritte große Offensive vorbereitete. Vermutlich in dieser Situation entstand die aktuelle Fotografie als Teil einer Serie, in deren Mittelpunkt der Abschuss oder der Absturz eines „alliierten Ballons“ steht. Die umseitig leider nur vage beschriftete Fotografie zeigt ein unstarres und – und wie es in der Fachterminologie heißt – „manntragendes“ Luftgefährt. Die genaue Interpretation jedoch ist schwierig: Zunächst ist die militärische Verwendung selbsttragender Luftfahrzeuge mit gasgefüllter Hülle nichts Neues. Ihr erster Einsatz erfolgte bereits 1794 durch französisches Militär in den Schlachten von Fleurus und Maubeuge, spätestens im amerikanischen Bürgerkrieg sowie in den deutschen Reichseinigungskrieges wurde er allgemeingebräuchlich.  Als Aufklärungsplattform oder luftgestützte Feuerleitstelle für die Artillerie erfüllten Ballone trotz der rasanten Entwicklung von Luftschiff und Flugzeug und trotz bereits vor dem Krieg entwickelter Anti-Ballon-Waffen im 1. Weltkrieg noch immer relativ zuverlässig ihre Aufgaben. Ein abgeschossener oder abgestürzter Ballon des Gegner dürfte daher also nichts Außergewöhnliches gewesen sein, so dass sich die Frage erhebt, was konkret hier im Bild die Aufmerksamkeit einer recht großen Anzahl hoher deutscher Stabsoffiziere fesselt: Bemerkenswert ist die im Foto zu erkennende (schussfeste? Gondel, die insofern untypisch ist, weil man üblicherweise und auf allen Seiten auf geflochtene Ballonkörbe zurückgriff. Die Form der Gondel ist eher bei Luftschiffen zu finden, doch zeigen weitere Bilder aus der Fotoserie, dass es sich tatsächlich um einen Ballon handelte. So drängt sich der Schluss auf, bei dem Ballon könnte es sich um eine Weiterentwicklung eines Beobachtungs- und Feuerleitballons handeln, der durch die neuen Akteure auf den Schlachtfeldern der Westfront, höchstwahrscheinlich durch die amerikanische Armee, in Einsatz gebracht worden sein könnte.

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DAStietz, Foyer

Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz


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