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Mit Licht geschossen | 47. Bildpräsentation

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.
Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.

 

Mit Pferd und Wagen

Kaum ein anderer Krieg wird heutzutage so eng mit der Neueinführung und dem massenhaften Einsatz modernster Technik assoziiert wie der 1. Weltkrieg. Dynamit und Kampfgase, Maschinenwaffen und Luftfahrzeuge, Kraftwagen und Panzer, Kommunikations- und Medizintechnik – all das waren für die Zeit ungeheure Novitäten, die das Phänomen „Krieg“ im wahrsten Sinne nachhaltig verändern sollten. Dass der Krieg daneben auch weiterhin mit archaischsten Mittel geführt wurde, offenbart sich erst bei genauerer Betrachtung. Das bezog sich nicht nur auf brutalste Kampfesweisen „Mann gegen Mann“ im Grabenkrieg, die etwa dem mittelalterlichen Dolch oder dem Streitkolben eine Renaissance bescherten, sondern auch auf ganze Waffengattungen. Dazu gehörte unzweifelhaft der Train – jene Einheiten also, denen die Transportlogistik oblag. Man mag vermuten, dass hier recht schnell der Umstieg auf die neuen Lastwagen vollzogen wurde. Dem war jedoch nicht so, wie das aktuelle Bild aus dem Jahr 1918 recht augenfällig beweist: Trotz gelegentlicher Einführung neuer Technik blieb beim Train lange Zeit noch das „klassische“ sechs-, vier- oder – wie auf der Fotografie dargestellt – zweispännige Fuhrwerk das Standard-Transportmittel zwischen der Front und den Traindepots im Hinterland im Gebrauch. Viele dieser Fuhrwerke waren keine ausgesprochene „Militärtechnik“, sondern wurden häufig aus dem zivilen Bereich requiriert, wie auch der abgebildete Planwagen der Fa. Gottschalk & Co aus Cassel. Ähnlich geradezu „unmilitärisch“ sah es bei den Mannschaften aus, die sich nur zu geringen prozentualen Anteilen aus aktiven Soldaten, sondern bevorzugt aus älteren oder eingeschränkt kriegsverwendungsfähigen Reservisten rekrutierten – ein Grund, warum Trainangehörige in ihrer Geschichte immer zu den Soldaten mit dem geringsten militärischen Ansehen zählten… Die Simplizität der Transportmittel bot natürlich auch jede Menge Vorteile gegenüber der neuen elaborierten Fahrzeugtechnik, denn die Trainwagen und ihre Mannschaften waren ungleich leichter zu ersetzen. Im Gegensatz zum wartungsintensiven, störanfälligen und auf komplexere Infrastruktur angewiesene Kraftwagen jedoch konnten Pferdegespanne selbst im Umfeld der Fronten oder gar beim Gegner requiriert und durch die in jedem Bataillonsbereich vorhandenen zahlreichen Feldschmieden und – werkstätten repariert werden. Somit ist es nicht verwunderlich, dass trotz der Aufkunft moderner motorbasierter Transportmittel dem Pferdegespann auch nach dem Ende des Krieges eine aussichtsreiche zivile Karriere erhalten blieb. Selbst im Güterfernverkehr blieb der Planwagen noch auf Jahrzehnte hinaus im Gebrauch – abseits der Eisenbahntrassen war er sogar sein Hauptträger, dessen massenhafte Verwendung in einer Stadt wie Chemnitz bis in die 30er Jahre hinein die Einrichtung umfangreicher „Ausspann-Gasthöfe“ entlang der Ausfallstraßen (etwa an der Zschopauer Straße) erforderlich machte.

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DAStietz, Foyer

Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz


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