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Mit Licht geschossen | 43. Bildpräsentation

 

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.

Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.

 


„Propaganda und Krieg“

„Besser einander beschimpfen als einander beschießen“ – Winston Churchills weise Worte waren durch die konkreten Ereignisse an den Fronten längst ad absurdum geführt worden. Fast vier lange Jahre sind seit Kriegsausbruch bereits vergangen, in denen tausende Soldaten, die einen auf Seiten des deutschen Kaiserreichs und die anderen auf Seite der Alliierten, in den Krieg zogen, um im Glauben, dieses zu beschützen, für ihr Vaterland zu kämpfen. Die Verluste auf beiden Seiten gingen inzwischen in die Millionen. Je größer Verluste und Kriegsmüdigkeit, umso notwendiger der Einsatz der Propaganda auf beiden Seiten, um den Krieg und das Durchhalten bis zum nahen Sieg zu rechtfertigen. Bildern kommen im Rahmen der Propagandaschlachten eine große Bedeutung zu. Es sind nicht die Fotografien zerfetzter oder verbrannter Leichen, die Bilder verschütteter Gräben oder ausgebrannter Tanks, die dem dringend benötigten neuen Kanonenfutter den Dienst mit der Waffe fürs Vaterland schmackhaft machen sollen: Junge, entspannte Männer, aber auch der harte Kämpfertypus, Abenteuer, Patriotismus, Technik – das Spektrum der Bilder ist durchaus verlockend. So zeigt das aktuelle Bild sechs junge Soldaten am leichten Maschinengewehr Modell 08/15 – die massenhafte Verbreitung der Waffe hat ihr ein Überleben – nullachtfuffzen! – noch in unserem heutigen Sprachgebrauch gesichert! Doch lässt sich anhand von Mimik und Körpersprache der Soldaten leicht erkennen, dass es sich um ein gestelltes Bild handelt. Die jungen Männer, schätzungsweise Anfang 20 lagen im Gras, weit weg von einem wirklichen Schlachtfeld, wahrscheinlich auf dem Gelände der 104er Maschinengewehrkompanie in Chemnitz-Gablenz. Mit derartigen Bildern versuchte vorrangig die Presse, der Gesellschaft einen Eindruck freudiger Kampf- und Opferbereitschaft zu vermitteln. Sie dienten der Motivation, um von den realen grausamen Ereignissen und Bildern der Realität abzulenken, genannt seien Schauplätze wie Ypern in Flandern, Verdun oder die Fronten an Maas und Somme. Derartige Propagandamittel werden noch heute benutzt, um Kriege anders darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Sie führen und führten zu Verzerrungen im Auge des Betrachters. Wie Presse und Medien polarisieren konnten, zeigten Jahre später die Nationalsozialisten vor und während des Zweiten Weltkriegs in nahezu „perfider Perfektion.“ Kontrollierter und zensierter „Embedded Journalism“ bedient Kriegspropaganda noch heute und mahnt daher: Pressefreiheit und Medien sind Bestandteile demokratischer Gesellschaften. Sie verpflichten aber gerade im Umgang mit Kriegen zu besonderer Bedacht und Vernunft.


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