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Mit Licht geschossen | 38. Bildpräsentation

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.

Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.


„Kaiserbesuch“

Hoher Besuch hat sich bei den Soldaten an der Front eingefunden: Der unbekannte Fotograf des aktuellen Bildes hat eben jenen Moment eingefangen, in dem Seine Majestät Kaiser Wilhelm II., aufmerksam und neugierig beobachtet von Soldaten unterschiedlicher Truppengattungen und Chargen, das markante Automobil, mit dem er seine Frontbesuche absolvierte, wieder besteigt. Am Steuer des Daimler Landaulet mit den Ersatzreifen für alle Eventualitäten auf dem Karosserie-Dach wartet bereits der „Kaiserliche und Königliche Wagenführer“, der langjährige persönliche Chauffeur des Kaisers Julius Knoop (1887-1967). Unklar ist, anlässlich welches konkreten Truppenbesuches die Aufnahme entstand: Unter Beachtung der Reisetätigkeit des Kaiser als auch der im Bild erkennbaren Uniformen wäre zwar ein Besuch an der Westfront, wahrscheinlicher aber auf dem Balkan oder auch an der Isonzo-Front im Süden vorstellbar.

Mit seinen Reisen an die Fronten suchte der Kaiser, seinem zunehmenden Machtverlust zu begegnen. Seit 1917 sah sich Wilhelm zunehmend aus den Entscheidungen, die Einfluss auf den Kriegsverlauf hätten nehmen können, herausgedrängt. Die Oberste Heeresleitung mit Hindenburg und vor allem Ludendorff praktizierte zunehmend eine „stille Diktatur“, die selbständigen kaiserlichen Entscheidungen keinen Raum mehr ließ und ihn zunehmend zum Erfüllungsgehilfen deklassierte bzw. wie etwa in Fragen der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges nachhaltig kompromittierte. Letztere Entscheidung bedingte im Frühjahr 1917 den Kriegseintritt der USA.

Wilhelms Interesse begann sich daraufhin zunehmend auf Nebenschauplätze, etwa auf dem Balkan zu fokussieren. So begeisterte er sich im Gefolge seiner Reisetätigkeit für das eroberte Rumänien, das ihm bei entsprechend effizienter – also deutscher – Verwaltung als ein künftiger Hort für wirtschaftliche Prosperität des Reiches erschien. Auch die Italienfront wurde wieder interessant: Dort hatte sich das dem Reich in „Nibelungentreue“ verbundene Österreich lange Zeit mit dem abtrünnigen Italien geschlagen, war jedoch nach der 11. Isonzo-Schlacht im August/September 1917 knapp einer schweren Niederlage entgangen. Aufgrund der prekären österreichischen Situation sah sich Deutschland quasi zur Eröffnung einer weiteren Front genötigt: Die neu aufgestellte 14. Armee mit dem eingebundenen Alpen-Korps hatte diese Unterstützung für den österreichischen Verbündeten zu leisten. Aller Wahrscheinlichkeit nach entstand die fotografische Aufnahme, die auf August 1917 datiert, im Umfeld eines der beiden vorgenannten Ereignisse.


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