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Mit Licht geschossen | 16. Bildpräsentation

Historische Originalaufnahmen, eingefangen in Chemnitz, an der West- und Ostfront, großformatig plakatiert.

Eine Fotografie – einen Monat lang – an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen von Chemnitz, über die gesamte historische Spiegelungsdauer 2014-2018.


„Erschöpft und müde“

„Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“ Die Worte des einstigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika John F. Kennedy sind auch auf die Zeit des Ersten Weltkriegs übertragbar – auf einen Krieg, dessen Ausmaß von Politikern und Militärs, die dem Deutschen Kaiser Wilhelm II. (fast) keine andere Möglichkeit ließen, als einen Krieg zu beginnen, völlig fehleingeschätzt wurde.

Vier lange und grausame Jahre dauerte dieser Krieg an. Die Soldaten kämpften anfangs voller Enthusiasmus und häufig aus vollster Überzeugung für ihr Vaterland. Doch mit den Jahren wurden manchem die wahren Ausmaße und Grausamkeiten erst bewusst; einigen vielleicht auch erst als sie selbst eine Verletzung erlitten oder sich in einem nahezu permanenten Erschöpfungszustand am Rande des physischen und psychischen Zusammenbruchs befanden.
Das Bild zeigt zwei Offiziere der vor Kriegsausbruch in Chemnitz stationierten „Kaiser-Ulanen“, irgendwo an der Ostrfront an einem Zaun sitzend und ruhend. Durch die abgesenkten Köpfe und die geschlossenen Augen erweckt diese Situation einen friedlichen und ruhigen Anschein, scheinbar weit weg von den wirklichen Ereignissen des Krieges. Doch dieser Eindruck trügt: Sie sind „fertig“, wie es im Soldatenjargon heißt. Kampf, Marsch, Warten, permanente Gefahr für Leben und Gesundheit, alles in Endlosschleife und ohne Aussicht auf Besserung – alles überlagert von einer übermächtigen Sehnsucht nach Ruhe und Schlaf …
In der Nachbetrachtung schließlich lässt das Bild eine weitere, eine symbolische Deutung zu: der situativen, dann der permanenten Müdigkeit folgt die Müdigkeit am Gesamtgeschehen, die sprichwörtliche „Kriegsmüdigkeit“, die sich schon 1915 aus vielen Dokumenten und Selbstzeugnissen unterschiedlicher militärischer Chargen herauslesen lässt.